Smart City München. Recap vom 13. Februar 2020.

FUTURE FORUM by BMW Welt.

„Smart City ist ein Mannschaftssport, es geht nur wenn alle am gleichen Strang ziehen. Idealerweise in die gleiche Richtung.“ Lorenz Gerteis, PTC. 

Am Donnerstag, den 13. Februar 2020, startete das FUTURE FORUM by BMW Welt sein Programm an Live-Formaten. Die Experten diskutierten an diesem Abend in einem offenen Dialog gemeinsam mit dem interessierten Publikum und Moderator Florian Zibert über die „Smart + Connected City“ undmit welchen Ansätzen München den kommenden Herausforderungen begegnet.

 

Wenn Technologie die Antwort ist; Was war dann noch mal die Frage?
Die Vision der Smart City ist vielgestaltig. Handlungsfelder sind u.a. die Lebensqualität und Sicherheit der Bewohner, die Attraktivität der Stadt und der Region als Wirtschaftsstandort, aber auch Ressourcen- und Umweltschonung, Mobilität und Infrastruktur und nicht zuletzt eine intelligente Gesundheitsversorgung. Alle diese Bedürfnisse muss die Stadt auf kluge Weise lösen und bedient sich dabei der fünf Schlüsseltechnologien: 5G, Cloud, IoT, AR/ VR und Robotik.

Helen Orgis und Laurenz Gerteis von PTC, dem Branchenführer im Bereich IoT, boten zu Beginn einen Einblick, wie immersive Technologien wie Augmented und Virtual Reality es dem Nutzer ermöglichen, verschiedene Realitäten miteinander zu verbinden. Denn anders als technische Geräte können Menschen Informationen in Form von Einsen und Nullen nicht dekodieren. „Augmented Reality und Virtual Reality ermöglichen es uns, die verfügbaren Daten des Internets der Dinge wahrzunehmen,“ so Lorenz Gerteis. 

So können AR-Applikationen historische Gebäude im Stadtbild rekonstruieren oder einen Ausblick auf neu entstehende Stadtstrukturen geben. Sie simulieren neue Gebäude oder Parkanlagen und helfen so Stadtplanern und Bewohnern bei der Gestaltung der Stadt der Zukunft. 

Viele smarte Technologien sind für den Stadtbewohner jedoch nicht direkt erfahrbar. Hinter den Kulissen sorgen sie dafür, dass die Infrastruktur so effizient wie möglich funktioniert und gewartet wird:

Frühwarnsysteme für Wasserleitungen können signalisieren, wann sie Gefahr laufen zu platzen. So kann die Reparateur früh ansetzen und größere Schäden vermieden werden. Mülleimer kommunizieren bereits mit der Müllabfuhr und melden sich beim Fahrer wenn sie voll sind und geleert werden müssen. Und technisch gesehen könnten auch die Straßenlaternen hinter uns das Licht ausschalten und so enorme Ressourcen sparen.

Das Potential von smarten Technologien ist auch im Gesundheitssystem groß. „Wir werden immer mehr Menschen mit immer moderneren Krankheiten“ so Lorenz Gerteis. Doch was wenn der Krankenwagen während der Rush Hour im Stau feststeckt? Unter den Eventteilnehmern trauten sich lediglich 10% der Anwesenden zu, erste Hilfe zu leisten. Hier kann eine AR-App Abhilfe schaffen: Sie scannt den Körper der hilfebedürftigen Person ab und kann anhand der Statur errechnen, wo welche Organe liegen. Dies kann die Helferin auf ihrem Smartphone erkennen und erhält konkrete Anweisungen zur Stabilisierung oder Reanimierung des Patienten. 

Lorenz Gerteis schloss mit einem Appell an die Besucher, die vielen Möglichkeiten wahrzunehmen AR im Alltag zu nutzen: „Wir brauchen weder teure Brillen noch großes technisches Know-How, wir alle haben die notwendigen Geräte bereits in unserer Hosentasche.“ 

 

Wie weit ist München auf dem Weg zur zukunftsfähigen digitalen Metropole? Wo steht München auf dem Weg zur zukunftsfähigen digitalen Metropole? Technologien und Bürgerbeteiligung ebnen den Weg zur zukunftsfähigen digitalen Metropole.
Im anschließenden Panel „Smart City München - Ein Reality Check“ diskutierte Florian Zibert (ZIBERT + FRIENDS consulting) mit Jutta Jungwirth (Stadtwerke München) Helen Orgis, Wolfgang Glock (Stadt München, Referat für IT) und Thomas Jell (Siemens Mobility) in wie weit Smart City Solutions in der Realität bereits in München implementierbar sind und sie die Lebensqualität der Bewohner verbessern. Schon heute nutzt die Stadt Sensoren, die irgendwann flächendeckend die Luftqualität messen und uns Informationen liefern, ob es heute gesund ist draußen Sport zu treiben oder ob die  Luftqualität so schlecht ist, dass wir besser daran tun ins Fitnessstudio zu gehen. München pilotiert dabei mit dem Startup HAWADAWA https://www.munich-startup.de/39934/hawa-dawa-portraet/

Doch Wolfang Glock stellte klar: „Digitalisierung ist ein Werkzeug das wir einsetzen. Es ist nicht als Solitär zu denken sondern immer nur in Verbindung mit dem Menschen.“ Und auch Jutta Jungwirth ist der Auffassung: „Es geht nicht nur darum, alles effektiver zu machen, sondern vor allem einfacher und angenehmer für die Bewohner.“ 

Smarte Technologien helfen nicht nur den Bewohnern ihre Stadt besser kennenzulernen, sondern auch der Stadt ihre Bewohner zu verstehen. Sie tragen dazu bei, besser vernetzte Sozialgefüge zu schaffen und dadurch die Lebensqualität der Bewohner zu verbessern.

Gerade deshalb ist Bürgerbeteiligung eine wichtige Säule bei der Entwicklung der Smart City der Zukunft. Doch hier sieht Helen Orgis Verbesserungsbedarf: „Wir binden Menschen nicht genug in die Entwicklung mit ein. Viele wissen gar nicht inwiefern sie ihre Lebensqualität verbessern können.“ 

Im Vergleich zu den technischen Möglichkeiten hinkt die Einbindung der Menschen in München noch hinterher. Dies stieß auch im Publikum auf Kritik. Doch Jutta Jungwirth machte deutlich, dass wir für die Vorteile unserer Demokratie den Preis zahlen, dass die Mühlen in der Umsetzung etwas langsamer mahlen. „Wird in China innerhalb von wenigen Jahren ein ganzes U-Bahn-Netz hochgezogen, müssen wir in Deutschland Eigentumsrechte u.v.m. wahren -  und das ist auch gut so“ so Jungwirth. 

Immerhin, von April an will die MVG, die zu den SWM gehört, mehrere Wochen lang einen autonom fahrenden Bus im Olympiapark in München testen. Wer schon etwas Zukunftsluft schnuppern möchte, sollte dann unbedingt dort vorbei schauen. 

Wolfgang Glock nannte als weiteres Beispiel auf dem Weg zur Smart City den digitalen Zwilling. Ein Projekt des Kommunal- und IT-Referats der Stadt München in enger Zusammenarbeit mit it@M, die mit diesem wegweisenden Projekt eine wesentliche Voraussetzung zur Entwicklung von München als digitale Metropole schaffen. Mit dem virtuellen Abbild der realen Stadt München unterstützt der digitale Zwilling „…eine nachhaltige Stadt- und Mobilitätsplanung, bei der der sensible Umgang mit den städtischen Daten klar im Vordergrund steht. Er beschleunigt Entwicklungsprozesse und wirkt präventiv gegen schwer absehbare Problematiken. Die Arbeit mit dem digitalen Abbild der Stadt kann letztlich die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger maßgeblich verbessern. Durch eine vorab Simulationen kann erheblich an Kosten gespart werden. Stadtplanung und – entwicklung gehen mit dem digitalen Zwilling ganz neue Wege. Für die Landeshauptstadt München ist dieser Weg insgesamt ein großer Schritt zur zukunftsfähigen digitalen Metropole.“  (Quelle: https://muenchen.digital/blog/digitaler-zwilling-in-muenchen-ein-leuchtturmprojekt-auf-dem-weg-zur-digitalen-metropole/)

UNSERE EXPERTEN IM ÜBERBLICK.

Helen Ortis ist eine erfahrene Digital Marketing Expertin und Leadership-Futuristin. Sie hat einen Master-Abschluss in Corporate Communication und einen Bachelor mit Auszeichnung von der Northumbria University. Ihre Leidenschaft für neueste Technologietrends und Innovationen geht auf ihre frühe Karriere zurück, wo sie bereits im Alter von 25 Jahren ein interdisziplinäres Transformationsprojekt bei einer der weltweit größten Versicherungsgesellschaften verantwortete. In ihrer Funktion als Head of Digital Growth EMEA kümmert sie sich um den Aufbau digitaler Marketingstrategien und marktspezifischer Go-to-Market-Kampagnen in Europa. Sie engagiert sich aktiv für mehr Frauen in der Technologiebranche und ist Co-Gründerin von Zukunftsnarrative.com. Seit Februar 2019 ist sie Mitglied der Bitkom-Arbeitskreise für New Work und Women in Tech. Helen’s Mission ist jeder Person und Organisation dabei zu helfen, von den neuen Technologien zu profitieren, individuelle digitale Kompetenzen aufzubauen und dadurch Zugang zur intelligenten, vernetzten Welt von Morgen zu erhalten.  

Lorenz Gerteis studierte Politikwissenschaften und BWL in Konstanz, Santa Barbara und St. Petersburg. Er hat einen Master der ESB Business School, Reutlingen. Seine Karriere begann er als Projekt Manager in der LogistikBranche und war vier Jahre lang in der Schweiz und China tätig. Nach einem Abstecher in die Automobilbranche arbeitete Lorenz sieben Jahre lang für ein Münchner Fin Tech-Unternehmen, welches nach drei Jahren von ACI Worldwide übernommen wurde. Während dieser Zeit war Lorenz zunächst Assistant to the CEO und hatte anschließend verschiedene, internationale Vertriebspositionen inne. Ständig auf der Suche nach dem nächsten großen technologischen Schritt, entwickelte Lorenz 2018 seine Begeisterung für Augmented Reality und IoTThemen und startete beim Marktführer PTC kurz darauf. 

Wolfgang Glock hat Informatik an der Technischen Universität München studiert. Seit Mitte 2012 ist er bei der Landeshauptstadt München tätig. Dort verantwortet er heute den Bereich E-/Open-Government und Smart City im IT-Referat. Im Rahmen des EU-Projekts "Smarter Together" (HORIZON2020) ist er Clusterlead für die ITThemen der "Lighthouse City" München.Davor sammelte Wolfgang Glock über 20 Jahre umfassende Erfahrung in vielen spannenden Themen rund um die IT in den Bereichen Industrie, Handel, Versicherung und der öffentlichen Verwaltung in verschiedensten Rollen. Er engagiert sich zudem ehrenamtlich in der Gesellschaft für Informatik, ist Sprecher der Regionalgruppe München, Vertreter der Regionalgruppen im Präsidiums der GI, pflegt engen Kontakt zur IT-Community und der "Blick über den Tellerrand" der Informatik ist ihm ein Anliegen.
Sein Motto ist „Geht nicht, gibt´s nicht – geht anders!“.  

Jutta Jungwirth leitet den Bereich Stadtplanung der Stadtwerke München GmbH. Sie ist verantwortlich für die Integration von Verkehrs- und Versorgungsinfrastruktur in die Stadtplanungsprojekte der Landeshauptstadt München. Dies umfasst die Begleitung von städtebaulichen Planungen und die Integration von neuen Mobilitätsformen in das bestehende Netz, sowie die Bündelung des Themenfeld Smart City bei den SWM.  Jutta Jungwirth ist Architektin und Stadtplanerin. Ihre Ausbildung machte Sie an der Ecole Polytechnique Federale de Lausanne (EPFL) Schweiz, der Technischen Universität München (TUM) und der London School of Economics (LSE) Großbritannien. Aus langjähriger Tätigkeit in Planungsbüros bringt Sie Erfahrung aus großen internationalen Stadtplanungsprojekten (China, Jemen, Arabische Emirate) mit. Ihre professionelle Kommunikationsarbeit an Schnittstellen zwischen verschiedenen Projektbeteiligten und die Erfahrung im Bereich des Öffentlichen Personen Nahverkehr machen Sie zu einer sehr engagierten Stadtplanerin mit ganzheitlichem stadtplanerischem Verständnis und fundiertem fachlichen Wissen in Stadt- und Regionalplanung.  

Thomas Jell ist Program Manager und Senior Principal Expert bei der Siemens Mobility GmbH. Er übernimmt Management Consulting und Projekte in den Bereichen Cloud based IoT and embedded systems, Infrastruktur für autonome Fahrzeuge und 5G.  Er ist seit 1987 in die Entwicklung objectorientierter Software Technologien involviert. Sein spezieller Fokus liegt auf der Einfuehrung moderner Technologien wie RFID-based solutions, Cloud Computing, SaaS, SoA, WebServices, XML bei aktuellen Kundenloesungen. Sein Research Fokus liegt bei Distributed Object Computing, Fault Tolerant industry systems und zuverlaessigen Systemen. Er ist der Author des Buches "Objektorientierte Programmierung in C++" und Editor des Buches "Component based Software Engineering". Er ist Ehrenmitglied im ComponentWare Consortium und Gruendungsmitglied des LICON Logistic Consortiums.