Life of a Battery - Recap vom 19. Mai 2020.

Life of a Battery.
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In unserer ersten digitalen Paneldiskussion am Dienstag, den 19. Mai 2020, durchdrungen unsere Experten die verschiedenen Stufen des Lebenszyklus einer Autobatterie von der Produktion über die Nutzung bis hin zur Verwertung.

Wo kommen die Rohstoffe her? Wie nachhaltig können sie beschafft werden? Wie lange hält so eine Batterie überhaupt? Und wie kann sie am Ende ihres Lebens recycelt werden? Und es ging es um die Kernfrage, ob die Batterie wirklich einen positiven Beitrag für die urbane Mobilität der Zukunft leistet.

In einem fundierten Panel stellten sich die Experten den aktuell wichtigen Fragen und gaben einen Ausblick auf die Entwicklung der kommenden Jahre:

Dr. Matthias Dohrn, Senior Vice President Global Precious & Base Metal Services bei BASF. Michael Baumann, Mitgründer und Geschäftsführer von TWAICE, einem Start-Up das Software, maschinelles Lernen und Batteriefachwissen vereint.  Dr. Matthias Buchert, dem Bereichsleiter für Ressourcen & Mobilität bei Öko-Institut e.V., mit den Forschungsschwerpunkten nachhaltige Ressourcenwirtschaft, Ressourceneffizienz, Kreislauf-wirtschaft und seltene Metalle. Von Seiten BMW waren außerdem Andreas Raith, Leiter Batterietechnologie Projekt und Sören Mohr, Leiter Serienbetreuung/ Weiterentwicklung E-Antriebe - Stationäre Batteriesysteme - Battery 2nd Life im FUTURE FORUM live vor Ort. Moderiert wurde die Veranstaltung von Kai Zöbelein, dem Pressesprecher für Nachhaltigkeit der BMW Group.

Auf dem Weg zur Mobilitätswende - Reichen die Rohstoffe mit deutlich mehr Elektrofahrzeugen auf der Straße überhaupt aus? Und gibt es Grenzen in der Beschaffung?

„Ja, die Nachfrage nach den Rohstoffen wie Kobalt, Nickel, Graphit wird erheblich ansteigen“ so Buchert (Bereichsleiter für Ressourcen & Mobilität bei Öko-Institut e.V.). Er betont, dass bei der Förderung und Gewinnung von Rohstoffen das Wachstum mit besseren Standards einhergehen muss. Im Kongo leben über 400.000 Menschen vom Bergbau und die Autoindustrie ist einer der größten Kunden. Aber solange die Förderbedingungen nicht eindeutig sind und die sozialen Standards nicht gewährleistet werden können, hebt Andreas Raith (BMW, Leiter Batterietechnologie Projekt) hervor, wird BMW in den nächsten Jahren Kobalt nicht mehr aus dem Kongo beziehen können. Bis dahin kontraktet man mit Marokko und Australien.

„Mittelfristig wird man am Kongo als rohstoffreichstes Land für Kobalt nicht vorbeikommen“ so Dohrn (Senior Vice President Global Precious & Base Metal Services bei BASF), deswegen muss es das erklärte Ziel sein, „unter diesen schweren Bedingungen im Klein-Bergbau peu à peu die Bedingungen zu verbessern und nicht abzuwandern“ so Buchert. Die großen Industrien müssen sich zusammenschließen und sich aktiv um eine möglichst saubere Lieferkette und Rohstoffgewinnung kümmern.

Kai Zöbelein (Pressesprecher für Nachhaltigkeit der BMW Group) zieht ein Zwischenfazit:

Die Menge der Rohstoffe scheint handelbar zu sein, die Herkunft kann man in den Griff kriegen aber man muss sich der Herausforderung bewusst sein und auf die relevanten Themen eingehen!

Wie grün ist die Herstellung einer Batterie? Wie haltbar ist sie und was ist überhaupt Second Life? 

BMW hat das Thema Elektromobilität grundsätzlich mit all den Aspekten der Nachhaltigkeit begonnen. Für die Produktion von Fahrzeugen und Batterien wird Wasser- und Windkraft eingesetzt, und im Dialog mit allen Lieferanten versucht man, maximale Grünstromquoten zu schaffen. „Wir sind mit einem holistischen Ansatz über die gesamte Kette unterwegs [...] und das hört an keiner Stelle auf genauso wie das sozialen Engagement bei den Rohstoffen ein Thema war, ist es auch an allen anderen Schritten in der Wertschöpfungskette so, dass wir immer die Nachhaltigkeit sehr stark mit in den Fokus bringen“ so Mohr (BMW, Leiter Serienbetreuung/ Weiterentwicklung E-Antriebe - Stationäre Batteriesysteme - Battery 2nd Life).

Nicht nur die nachhaltige Produktion und die Herkunft der Rohstoffe sind beim Thema Batterie wichtig, sondern auch die Lebensdauer, potentielle Reparaturen und das professionelle Recycling.

Bei einem sind sich alle einig, die Erfahrungen in der Haltbarkeit sind deutlich besser als das Auslegekriterium. Die Degradation der Speicher ist viel geringer als gedacht und die Speicher halten über die gesamte Lebensdauer. „Die Reparaturkonzepte sind so angelegt, dass auch einzelne Elemente getauscht werden können„ so Raith. Baumann (Mitgründer und Geschäftsführer von TWAICE) steht dem ein wenig kritisch gegenüber. Die Batterien könnten theoretisch schon repariert werden, aber lohne sich das. Außerdem sei der Markt darauf noch nicht vorbereitet und die Werkstätten hätten noch keine Erfahrung. Auch Mohr wirft ein, dass  die Batterien zwar so entwickelt seien, dass Module und ganze Speicher getauscht werden können, aber eben der Markt soweit noch nicht sei.

Also geht es bis dahin vor allem um das Thema Recycling und Second Life der Batterien.

 

Kann man eine Batterie überhaupt komplett recyceln?

„Nicht alle Komponenten können momentan recycelt werden. Bei Graphit sind es z.B. nur 53% …, das wird in 2022 hochgehen auf 72% und dann 2025 mit mehr Technologie wird es zu 97% recycelbar sein“ so Dohrn. Aber es gehe nicht nur um die fertige Batterie sondern vor allem um die Kreislaufwirtschaft. Denn „mittel und langfristig ist das Recycling der Lithium-Ionen Batterien ein wichtiger Pfeiler in der Gesamtökobilanz und für eine gesicherte Rohstoffversorgung“ so Buchert. Aber bis dahin sei es noch ein langer Weg. Man käme schon bei Klein- und Mittelbatterien nicht auf die Sammelbilanz, da lande dann der Akku von Laubbläsern und Pedelcs im Hausmüll oder im gelben Sack.

„Die Motivation muss einfach da sein. Man muss interessiert daran sein, das Auto beim Hersteller zurückzugeben, um es professionell zu recyceln“ so Mohr. Aber „wir laufen erst 2025 zeitlich in die Rückführung der Batterien rein. Das heißt bis die Batterien zurückkommen, sind wir technologisch in der Lage die Materialien entsprechend zurück zu gewinnen und die Vorteile zu heben.“

Und vor dem Recycling kommt für Mohr ganz klar Battery-Second-Life! Denn „die Batterien sind so entwickelt, dass wir sie bei Rücklauf Plug and Play stationär einsetzen können“.

Wenn es so große Herausforderungen beim Recycling der Batterien gibt, wäre es dann nicht einfacher ganz andere Batterien zu bauen?

Dohrn: „Da wird was kommen [...] Es muss günstiger werden und ressourcenschonender [...] Die gesamte Industrie muss noch paar Jahre Gehirnschmalz reinstecken..“

Elektromobilität ist ganz klar die Zukunft

In der Energiewirtschaft geht es ganz stark um das Thema Effizienz und deshalb führt am Elektroauto kein Weg vorbei. Es ist das Antriebssystem mit der besten Energieeffizienz und deswegen sind „Batterieelektrische Fahrzeuge [...] das Mittel der Wahl“ so Baumann. Und auch Buchert ist sich sicher: „Elektromobilität wird ganz klar in den nächsten Jahren zum Mainstream werden.“ Er wirft aber auch ein, dass das System noch weiter gedacht werden muss: Was bedeutet das für die Städte? Wie geht das mit autonomem Fahren zusammen? Eins ist klar, es gibt noch viel zu lernen.

Dohrn relativiert diese Prognose etwas: „Im Großen und Ganzen wird sich die Elektromobilität durchsetzen, vor allem in Europa und in Asien. In anderen Ländern wie bspw. Südamerika wird der Verbrennungsmotor weiterhin seinen Platz finden.“ Auch Raith ist der Meinung, dass die Zukunftsprognose sich von Markt zu Markt unterscheidet: Unterschiedliche Märkte haben sehr unterschiedliche Bedürfnisse. [...] Von Brennstoffzellen-Fahrzeugen, über Plug-In, bis Elektroauto haben wir überall Nachfrage.“ Dennoch gibt  es ein ganz klares Verständnis über die Roadmap der BMW Group in den nächsten Jahren. Demnach ist „Elektromobilität [...] ganz klar die Zukunft“ so Raith.

Abschließend hebt Söhren Mohr das Engagement von BMW auch über die Batterie hinaus hervor, bspw. durch den Aufbau von Ladeinfrastruktur, durch die Weiterverwendung von Batterien als Energiespeicher und im Bereich Recycling.  „ Damit schaffen wir Voraussetzungen für die Mobilität der Zukunft die nicht nur am Auto einen Unterschied macht, sondern in allen Bereichen emissionsfrei wird.“

Das Panel können Sie in voller Länge hier auf der Website anschauen. 

Unsere Experten: 
Andreas Raith,
Leiter Batterietechnologie Projekt , BMW Group 
Sören Mohr, Leiter Serienbetreuung/ Weiterentwicklung E-Antriebe - Stationäre Batteriesysteme - Battery 2nd Life, BMW Group 
Michael Baumann, Co-Founder & Managing Director,  TWAICE
Dr. Matthias Buchert, Bereichsleiter Ressourcen & Mobilität bei Öko-Institut e.V 
Dr. Matthias Dohrn, Senior Vice President Global Precious & Base Metal Services, BASF

Moderation:
Kai Zöbelein,
Pressesprecher Nachhaltigkeit, BMW Group